(16) Friedrich Nietzsche »Abschied«

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Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n ?
Wohl dem, der jetzt noch ? Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr,
Vor Winters in die Welt ? entflohn?

Die Welt ? ein Thor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Landschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg', Vogel, schnarr'
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! ?
Versteck' du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n ?
Weh dem, der keine Heimat hat!

Musik: Elisa Demonkí

Diese Lesung wurde am 10.11.06, 23:35:23 veröffentlicht.


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Elisa

Kommentare

  1. Gerhard sagt am Nov 3, 2007 @ 08:21 PM : Nach dem Hören dieses meines Lieblingsgedichts von Nietzsches Fritz möchte ich die Sprecherin gerne fragen, ob sie justament vorhatte sich zu suizidieren oder ob sie gerade in Hollands Kaffeee-Laden ne Tüte Traumkraut geschmökt hat? Rudolf Scharping z. B. hätte das Gedicht nicht so schleichend langsam und öde präsentiert.
    Ergo: Das nächste Mal bitte nicht so bemüht theatralisch-weinerlich sondern nietzscheanisch-pessimistisch.

    Möge die Macht mit dir sein!
  2. Elisa@Gerhard sagt am Nov 4, 2007 @ 02:02 PM : Hallo Gerhard

    Tut mir leid wenn ich dich mit meiner Interpretation enttäuscht habe,
    besonders wenn es dein Lieblingsgedicht war,
    aber muss man deshalb gleich verletzend werden?

    Jeder sieht "sein" Nietzsche, so wie er ihn sehen möchte. :)

    Nietzsche weinte selbst oft aus Einsamkeit und versuchte seine Leiden mit Morphium zu überdecken...

    Es ist ein Jahr her seit ich das Gedicht gesprochen habe, heute würde ich es vielleicht anders sprechen.

    Jedoch ist das Gedicht nicht nur von Pessimismus geprägt, es hat für mich auch etwas melancholisch betrachtendes voll von Schwere und Traurigkeit, besonders im kalten grauen November.

    Danke für die Macht :)
    Elisa
  3. Gerhard sagt am Nov 11, 2007 @ 09:47 PM : Moin Elisa,

    ich finde meine Kritik noch angemessen, weil nur ironisch. Verletzen wollte ich nicht, mich nur wehren, das wollte ich.
    Über Nietzsche habe ich zufällig promoviert, weiß also um dessen Leben und Leiden und seine Fähigkeit andere mit Worten zu zerstören oder zerstören zu wollen. Wie bei allen Genies treffen ganz unterschiedliche und antagonistische Tendenzen in ihm zusammen. Da ist etwas zärtlich-melancholisches und etwas boshaft-zerstörerisches, der Drang die Welt zu retten und sie zu vernichten, der kühle Analytiker brilliert und der emotinale Feuerwerker lässt sich gehen.
    Sicherlich sind wir uns einig darüber, dass Nietzsches Sprachgewalt, die musikalische Komposition seiner Sätze (man muss sie nur einmal laut vorlesen, um den Musiker Nietzsche hinter dem Philologen zu er-hören) und eben auch etliche seiner Gedichte zum Vollkommensten gehören, was je in deutscher Sprache aufs Papier gebracht wurde.

    In diesem Sinne alles Gute für weitere Sprech-Akte und schöne Spaziergänge, bei denen man die Krähen-und-Wüsten-Einsamkeit genießen kann, ohne an ihr zu ersticken.

    Alles Gute
    Gerhard
  4. hannes sagt am Jul 21, 2009 @ 09:56 PM : ich fands gut gesprochen...weis gar nicht was das rumkritteln des dr. philosophie hier soll. Bevor er das Gedicht nicht besser spricht sollte er hier keine großen Töne schlagen und sich in selbstverliebter Analytik übergeben...

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